Die Partnergemeinde

Kirchengemeinde Kijombe

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Kijombe (im Bezirk Ilembula) besteht seit 1993 und erstreckt sich über die Dörfer Kijombe (bestehend aus Kijombe, Mgogoji und Ukomola), Lyamuluki, Lyadebwe und Ikwavila mit etwa 9000 Einwohnern. In jedem der sechs Dörfer/Weiler der Kirchengemeinde gibt es eine Kirche (aus Lehmziegeln mit Wellblechdach, mit Fensterluken ohne Scheiben) mit insgesamt über 2200 Mitgliedern. Einziger Pfarrer der gesamten Gemeinde ist seit Anfang 1999 Pfarrer B. Mlowe. Er wird von je einem Evangelisten (Hilfspfarrer) in den sechs Kirchen unterstützt, die für die Leitung je einer Kirche, die täglichen Gottesdienste, den Konfirmandenunterricht und alle anderen Tätigkeiten außer Amtshandlungen (Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen) verantwortlich sind.

 

Kijombe, Tansania

Landkarte Tansania, der rote Punkt zeigt in etwa die Lage von Kijombe

 

Wie auch die beiden Distriktpfarrer in Ilembula und Makambako hat Pfarrer Mlowe nach einer vierjährigen theologischen Ausbildung an der Hochschule der tansanischen Kirchen in Makumira ein Diplom (noch kein Bachelor Degree im angelsächsischen Hochschulsystem) erhalten. Nur drei der sechs Evangelisten der Gemeinde haben bisher die dreijährige Evangelisten-Ausbildung (plus ein Jahr Gemeindepraktikum) am Lutheran Seminary in Kidugala absolviert, das 1898 als Missionsstation von den Berliner Missionaren gegründet worden ist. Ein Evangelist hat eine einjährige Ausbildung in der vor 102 Jahren von deutschen Missionaren gegründeten Ausbildungstätte „Emmaberg“ der beiden Distrikte Makambako und Ilembula absolviert. Frau Mlowe wurde in Makumira zwei Jahre lang hauswirtschaftlich ausgebildet (zum Beispiel in Nähen und Kochen). Das monatliche Bar-Einkommen von Pfarrer Mlowe (60 Jahre alt, verheiratet, 5 Kinder) beträgt umgerechnet etwa 130 Euro, das der Evangelisten zwischen 24 Euro und 34 Euro.

Die Einkommensquellen der Gemeinde sind Kollekten, kleine Projekte in der Landwirtschaft und Erlöse aus dem Verkauf eines Teils der Kleiderspenden aus München in ihren Dörfern. Das Einkommen wird vor allem benötigt, um die kirchlichen Mitarbeiter einschließlich des Pfarrers und der Evangelisten sowie die kirchlichen Verwaltungskosten zu bezahlen, Zahlungen an den Kirchendistrikt Ilembula und an die Diozöse zu leisten, Kirchen und Häuser für den Pfarrer und die Evangelisten zu bauen und instand zu halten sowie kirchliche Mitarbeiter auszubilden. Die Gemeinde erhält keinerlei Zuwendungen von anderswo. Kirchensteuern gibt es in Tansania nicht.

 

Kijombe Kirche

In jedem Dorf und jedem Weiler der Kirchengemeinde Kijombe steht eine solche Kirche,
ein einfacher Versammlungsraum, aus Lehmziegeln gebaut.
Hier hat sich  die Gemeinde eines Dorfes beim Besuch von Gisela und Eberhard Köpp im Oktober 1999 versammelt.
In der Mitte hält jemand ein von ihnen als Andenken mitgebrachtes Fotos des Kreuzgemäldes hinter dem Altar der Immanuelkirche hoch.

 

 

Lebensverhältnisse in Kijombe

Das Gebiet von Kijombe und Ilembula gehört zu den ärmsten Gegenden von Tansania, einem Land, das insgesamt zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Das durchschnittliche Jahresprokopfeinkommen in Deutschland ist über 100 mal so hoch wie das in Tansania.  Wichtigste Umgangs-sprache in Tansania ist Kisuaheli, Bildungssprache ist Englisch. Es gibt im Lande etwa 120 verschiedene Ethnien mit entsprechend vielen Sprachen. Die lokale Sprache im Raum von Kijombe ist Kibena; auch für die Bewohner dort ist Kisuaheli eine Fremdsprache.

Die Kijombe-Dörfer liegen etwa 10 km von der Hauptverbindungsstraße zwischen Dar-es-Salaam (am Indischen Ozean im Osten) und Mbeya (nahe der Grenze nach Sambia im Westen) entfernt. Von Dar-es-Salaam fährt man per Express-Bus die etwa 700 km nach Makambako in 9 Stunden oder über Nacht per Bahn in einer noch wesentlich längeren Zeit. Makambako ist auch Bahnstation und ein Marktstädtchen mit etwa 10.000 Einwohnern. Von dort sind es noch etwa 20 km bis Kijombe. Die Kijombe-Dörfer sind untereinander nur durch Feldwege verbunden. Es gibt in den Kijombe-Dörfern praktisch keine Geschäfte.

Die Bewohner von Kijombe sind fast ausschließlich Bauern.  Angebaut werden vor allem Mais, verschiedene Arten von Kartoffeln, Kohl, Tomaten und Hirse. Hühner gibt es überall, Rinder sieht man dagegen weniger.  Die Häuser (Hütten) sind meist aus Lehm, im besten Fall aus am Orte hergestellten Lehmziegeln gebaut und mit Gras, seltener auch mit Wellblech gedeckt. Es gibt keine Elektrizität in den Kijombe-Dörfern.Das Tageslicht von etwa 5.30 bis 19 Uhr bestimmt weitgehend den Tagesablauf. Im Haushalt von Pfarrer Mlowe gibt es zum Beispiel lediglich zwei Kerosinlampen, neuerdings eine von Immanuel gespendete Solarlampe. Wasseranschlüsse in den Häusern existieren ebenfalls nicht. Es gibt lediglich eine Wasserleitung durch die Gegend mit öffentlichen Wasserhähnen im Freien, jeweils in Abständen von einigen hundert Metern.  Der dem Haus von Pastor Mlowe nächstgelegene Wasserhahn liegt zum Beispiel ca. 150 m vom Haus entfernt. Dieses Leitungswasser ist zwar sauber, aber nicht sicher, muss also auch abgekocht werden.

Klima in Kijombe

Das Gebiet um Kijombe liegt im Südwesten von Tansania auf einer Höhe von etwa 1300 m. Da es durch die Abholzung, um Brennholz zu gewinnen, kaum noch größere, zusammenhängende Baumbestände gibt, ist es häufig starken Winden ausgesetzt. Als Bauern hängen die Menschen völlig vom Wetter ab. Künstliche Bewässerung gibt es nicht. Es gibt nur eine Regenzeit, etwa von November bis März. In den letzten Jahren waren die Regenfälle sehr unterschiedlich. So gab es – angeblich als Auswirkung von El Nino – 1998 zu viel und 1999 zu wenig Regen, in beiden Fällen mit höchst negativen Folgen für die Ernte. Über die Jahreswende 2001/2002 scheint ausreichend Regen gefallen zu sein. Die Höchsttemperaturen liegen nach Aussage von Pfarrer Mlowe das ganze Jahr über bei etwa 25 Grad C. In den frühen Morgenstunden kühlt es drastisch ab.

 

Kijombe

Hier geht's ab von der grossen Verkehrstrasse, die Dar-es-Salaam im Osten mit Mbeya im Westen verbindet, nach Kijombe, unserer Partnergemeinde im Süden Tansanias. Es sind noch 5-10 km bis zu den 4 Dörfern und 2 Weilern, die zu der Kirchengemeinde Kijombe gehören, etwa 20 km vom Sitz des Luth. Distrikts und dem nächsten Krankenhaus in Ilembula entfernt.

 

Gesundheitsfürsorge

Im Dorf Kijombe gibt es eine sog. „Dispensary“, das heißt eine primitive, schlecht ausgerüstete und ausgestattete, staatliche Krankenstation. Ihr Leiter hat eine minimale medizinische Ausbildung und wird von zwei Helfern unterstützt. Die Station besteht aus vier kleinen Räumen mit ein paar Pritschen. Auch die Dispensary hat keinen Wasseranschluss im Haus, lediglich einen Wasserhahn in der Nähe außerhalb. Mehr oder weniger regelmäßig erhält die Station vom Staat die für ganz Tansania, nicht gezielt für den Süden zusammengestellte Standardzuteilung an Medizinen und Impfstoffen. Sie reicht in der Regel bei Weitem nicht aus, vor allen betreffend Malaria, Darmkrankheiten, Krankheiten der Luftwege und allgemeine Kinderkrankheiten.  Die Station verteilt Medizin, führt ambulante Untersuchungen, Behandlungen und Impfungen durch, hilft bei Geburten und betreibt auch Aufklärung betreffend Gesundheitsvorsorge und Familienplanung einschließlich Aids. Mit all dem ist sie aber völlig überfordert. Das nächste Krankenhaus ist in Ilembula, etwa 28 km entfernt von Kijombe. Es wird von der Lutherischen Kirche betrieben mit starker Unterstützung der »Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern« (Neuendettelsau) und aus Skandinavischen Ländern. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsverbindung von Kijombe nach Ilembula. Haupttransportmittel für Schwerkranke ist daher die Mitnahme auf einem Fahrrad.

 

Kijombe Kirche 2

Die Kirche von Kijombe, ein Lehmziegelbau mit Öffnungen als Fenster und einfachen Holzbänken ohne Lehne.
Die "Glocke", ein umgestülpter Eisentopf in einer Astgabel, wird jeden Morgen "geläutet", das heißt mit einem Eisenstück angeschlagen: um 6 Uhr zum Wecken und um 7 Uhr zum täglichen Gottesdienst.

 

Schulen

In den Kijombe-Dörfern gibt es insgesamt 5 Grundschulen für die Schuljahre 1-7 (Standard I-VII). Das Schulgeld beträgt etwa 24 Euro pro Jahr, zuzüglich Sachleistungen (zum Beispiel Mais, Bohnen) und Arbeitsleistungen (für Bau- und Instandhaltungsarbeiten). Die nächste staatliche Sekundarschule (Standards VIII-XI) ist in Njombe, etwa 100 km südlich von Kijombe. Es gibt aber in Makambako und anderen Orten auch private Sekundarschulen (sog. Parents‘ Schools) mit angeblich akzeptabler Qualität. Das Schulgeld für Sekundarschulen beträgt jährlich durchschnittlich etwa 600 Euro. Bei den Parents‘ Schools müssen außerdem Sachleistungen (zum Beispiel Mais, Bohnen) erbracht werden; neuerdings müssen an deren Stelle ebenfalls Gebühren entrichtet werden. In erster Linie aus Geldmangel haben in den letzten 5 Jahren insgesamt 1 bis 2 Schüler aus den Kijombe-Dörfern die Sekundarschule besuchen können.