Aktuelle Ausgabe

Liebe Gemeinde!

„Alles neu macht der Mai!“ sagen wir, wenn wir spüren, dass Veränderung und Neubeginn in der Luft liegen. Es ist der Anfang eines Frühlingsliedes, das Hermann Adam von Kamp 1818 auf die Melodie von „Hänschen klein“ geschrieben hat und das so beginnt: „Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei. Lasst das Haus, kommt hinaus! ...“

Wie sehnsuchtsvoll klingen diese Worte gerade jetzt, mitten in einer Pandemie, in unseren Ohren! Uns allen hat das vergangene Jahr mit Distanzhalten und Kontaktvermeidung und dem ständigen Umplanen viel abverlangt. Wir sehnen uns nach einem Sommer, der Entlastung bringt. Und wir hoffen, dass mit einer hohen Impfquote das Virus langsam seinen Schrecken verliert und unsere Seelen frisch und frei wieder aufatmen können und wir bald wieder hinaus ins Leben dürfen.

„Alles neu macht der Mai!“ sage ich hoffnungsvoll, weil neben allen Beschwernissen und allem Leid diese Pandemie auch ein wichtiger Impuls zum Neubeginn geworden ist:

Als Gesellschaft sind wir sensibilisiert für Freiheitsrechte und für Demokratie. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir für Globalisierung, für unsere Mobilität und für das Zurückdrängen unberührter Natur auch einen Preis zahlen. Als Gemeinschaft haben wir kollektiv erfahren, wie wichtig und wertvoll Solidarität mit vulnerablen Gruppen und denen ist, die die Lasten tragen müssen. Und als Einzelne haben wir erlebt, wie sehr wir menschliche Nähe, Berührung und persönlichen Kontakt brauchen. Nicht zuletzt hat uns die Entschleunigung der letzten Monate wohl auch wieder den Blick geschärft für das, was wirklich wichtig ist im Leben: Gut in Beziehung zu bleiben, mit uns selbst, unseren Nächsten und mit Gott.

„Alles neu macht der Mai!“ sagt unsere Kirche und wagt mit uns am Standort der Nazarethkirche in diesem Frühjahr einen mutigen Aufbruch. Gemeinsam mit dem Verein „Haus der Kulturen und Religionen München e.V.“ und in Abstimmung mit den Verantwortlichen in Dekanat und Landeskirche wollen wir das, was mit dem interkulturellen nazareth.projekt angefangen wurde, fortsetzen. Wir wollen in einer Kooperationsphase ausloten, ob es uns gelingt, die Nazarethkirche zu einem „Haus der Religionen“ zu entwickeln. Für uns als Gemeinde, die wir uns auf Dauer keine zwei Kirchenzentren leisten können, wäre das auch ein Gewinn. Einerseits blieben uns die Nazarethkirche als Gottesdienstort und der Nazareth-Kindergarten als unsere Betreuungseinrichtung erhalten. Gleichzeitig bekäme unser Neubauprojekt bei der Immanuelkirche Rückenwind durch die Landeskirche. Und nicht zuletzt könnten wir eines Tages stolz sein, neben dem zukünftigen „House of One“ in Berlin auch in Süddeutschland ein interreligiöses Zentrum zu beherbergen, das dem Frieden und der Verständigung unter den Religionen dient.

 

Gesegnete Ostertage und mutige österliche Aufbrüche

 

Pfarrer Markus Rhinow

 

Hier und dort, fort und fort,
wo wir ziehen, Ort für Ort,
alles freut sich der Zeit,
die verschönt erneut.
Widerschein der Schöpfung blüht
uns erneuend im Gemüt.
Alles neu, frisch und frei
macht der holde Mai.

Hermann Adam von Kamp (1818)

 

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Gemeindebrief 01/2021