Gemeindebrief

Der Gemeindebrief erscheint vier Mal im Jahr in einer Auflagenhöhe von 4.000 Stück. Herausgeber ist die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Immanuel-Nazareth München.

Der Gemeindebrief enthält alle wichtigen Kontaktadressen, die aktuellen Gottesdienstzeiten, Veranstaltungshinweise, die regelmäßigen Angebote der Gruppen und Kreise und viele Artikel rund um das Gemeindeleben. Alle Gemeindeglieder, die in Denning, Zamdorf, Englschalking, Daglfing, Johanneskirchen oder Bogenhausen wohnen, finden die gedruckte Fassung des Gemeindebriefes automatisch alle drei Monate kostenlos in ihrem Briefkasten. Zusätzlich liegt die aktuelle Ausgabe auch im Eingangsbereich unserer Gemeindezentren zum Mitnehmen aus.

Die vergangenen Ausgaben und die Festschrift zum Jubiläum "50 Jahre Immanuelkirche" stehen im Archiv als Download zur Verfügung.

Gemeindebrief PLUS

Gemeindebrief 2021-4:  Loslassen

Liebe Leser*innen, 

Hier können Sie die Text von Seite 7 und 28 ausführlicher weiterlesen. 

Vom Glück, Verantwortung zu teilen

Dr. Dagmar Ruhwandl 

 

Menschen haben, von außen betrachtet, recht unterschiedliche Mengen an Verantwortung zu tragen. Ich möchte zwei Beispiele herausgreifen: zum einen ein Unternehmer mit Verantwortung für Hunderte von Mitarbeitern, Projekte und Geld. Also ein Mensch, bei dem jeder sagt: Der trägt Verantwortung. Und Menschen mit vermeintlich wenig Verantwortung. Zum Beispiel eine nicht berufstätige Mutter von erwachsenen Kindern, die sich ›nur‹ ehrenamtlich engagiert. Was von außen gesehen so verschieden anmutet, kann von innen betrachtet einander viel ähnlicher sein als gedacht. Was diese beiden einen kann, ist, dass sie ein subjektiv zu hohes Maß an Verantwortung übernehmen. Wobei die wenigsten dieses Maß benennen können. Vielmehr spüren sie in der Regel ein beständiges, nagendes schlechtes Gewissen. Sie fühlen sich in ihrem Leben überfordert, und egal, was und wie viel sie tun, das schlechte Gewissen bleibt. Die Last von so unterschiedlich Tätigen wie dem Unternehmer und der Ehrenamtlichen kann sich für beide gleich schwer anfühlen. Um dieses Übermaß an Verantwortung soll es gehen, darum, wie es uns belastet, wie wir uns damit überfordern, und vor allem, wie wir diese Überforderung auf eine gute Weise reduzieren können. Und um das Glück, das entstehen kann, wenn wir unbelasteter leben. Ein Glück, das nicht nur uns betrifft, sondern auch die Menschen um uns glücklicher macht. Dazu bedarf es oft eines Rückblicks und Gedenkens. Damit wir verstehen, wie es bei uns ganz persönlich dazu gekommen ist, dass wir uns zu viel Last und Verantwortung zumuten. Einen Teil des Gedenkens haben auch nicht alleine wir erlebt – auch die familiäre Vergangenheit wirkt in uns nach, wie ein psychologisches Erbe. Und nicht zuletzt, vor allem in Deutschland, spielt die kollektive Vergangenheit eine nicht unerhebliche Rolle, wie wir Verantwortung und Übernahme von Schuld empfinden.

 

Stephan Gerdes hat eine stolze Karriere gemacht: vom Sohn eines Handwerkers zum Partner in einer internationalen Steuerkanzlei. Nie hat er Mühen und Kosten gescheut, um noch besser zu verdienen, noch höher aufzusteigen und noch mehr Geschäft an Land zu ziehen. Er ist geschätzt und zum Teil auch gefürchtet wegen seiner Durchsetzungsstärke und seines schier unglaublichen Durchhaltevermögens. Bei seinen Mitarbeitern ist er angesehen, auf ihn ist immer Verlass. Anders als sein direkter Manager-Partner bleibt er ruhig und freundlich, darum kommen die Leute lieber zu ihm als zum jähzornigen Kollegen. So bleibt mehr an ihm hängen, aber okay, man will die Leute ja nicht vor der Kopf stoßen. Zwar bedeutet das, dass er von Montag bis Freitag ständig auf Achse ist und keine Nacht mehr als sechs Stunden schläft. Auch am Wochenende ist er natürlich erreichbar. Aber er hält ja was aus. Und hat dadurch einiges erreicht. Mit seinen Einkünften hat er sich mehrere Immobilien gekauft, er und seine Familie haben keine finanzielle Sorgen, die Kinder bekommen die beste Ausbildung und alle sind, Gott sei Dank, gesund. Er hat also alles richtig gemacht. Allerdings beschleicht ihn oft ein schlechtes Gewissen. Zu wenig Zeit für die Familie! Darum ist er an den Wochenenden für alles da, was die Familie braucht. Was immer die Kinder oder seine Frau wollen, er versucht alles möglich zu machen. Ist schon ein bisschen viel auf Dauer, aber Grenzen sind natürlich dazu da ausgelotet zu werden. Bisher hat er immer alles gemanagt. Nun ja, so ganz für sich selbst hat er schon lange nichts mehr gemacht. Ist aber nicht so wichtig, die Pflicht und Verantwortung für die Familie geht vor. Ist doch selbstverständlich...

Doch von einem Tag auf den anderen geht nichts mehr. Der Rücken schmerzt höllisch, die Augen brennen und das Aufstehen fällt unendlich schwer. Lustlos und gleichzeitig voller innerer Unruhe schleppt er sich durch den Tag. Dabei hat er vor zwei Wochen die Nachricht bekommen, dass er bei einer renommierten Kanzlei in spätestens einem halben Jahr eine noch besser bezahlte, noch interessantere Position bekommen wird! Er könnte sich eigentlich freuen und mal wieder richtig „abhängen“. Wie früher im Urlaub mit seinen Brüdern. Den ganzen Tag am kroatischen Strand, ohne Uhr, ohne Ziel, ohne Druck aber mit ganz viel Spaß. Machen, was man will, ohne Zeitlimit, ohne ein größeres nächstes Projekt als den jüngeren Bruder zusammen mit dem älteren im Sand einzubuddeln und ihn dann an den Zehen zu kitzeln. Sogar die Eltern waren abends, wenn sie wieder zum Zelt kamen, gut gelaunt und entspannt. Ganz anders als zu Hause.

Aber er kann sich nicht richtig freuen. Er kann schon gar nicht abhängen und genießen, wie er es sich erhofft und vorgestellt hatte, sondern gibt sich den ganzen Tag beschäftigt. Bleibt morgens keine Minute länger liegen, setzt sich spätestens um acht Uhr an den Schreibtisch, ohne dass es eine besondere Aufgabe gäbe, die dringend erledigt werden müsste. Irgendwie ist er sogar unzufriedener als in normalen Zeiten, in denen er kaum zum Nachdenken kommt, weil er von frühmorgens bis in die Nacht arbeitet. Dabei sehnt er sich so nach Ruhe und Zufriedenheit.

Warum kann Herr Gerdes nicht loslassen? Warum bekommt er ausgerechnet jetzt Angst und fühlt sich unwohl, wenn ein Zustand, den er lange herbeigesehnt hat und der eigentlich Beruhigung bedeuten sollte, eintritt? Und wie kann er innerlich zu Ruhe kommen, den Moment genießen und ohne an das nächste Projekt, die nächste Verantwortung zu denken?

Warum fällt es vielen Menschen schwer, Verantwortung abzugeben oder loszulassen? Warum meinen sie, alles selbst in die Hand nehmen zu müssen? Und warum macht das viele auf Dauer matt und krank?

Aus meiner Sicht als Fachärztin, Psychotherapeutin, Unternehmensberaterin und Trainerin ist unser Umgang mit Verantwortung einer der wichtigsten Schlüssel zur Beantwortung dieser Fragen. Verantwortung ist eine komplexe innere und äußere Angelegenheit. Unsere persönliche, familiäre und gesellschaftliche Prägung trägt dazu bei, in welchem Grad wir Verantwortung empfinden und übernehmen. Unsere gegenwärtige persönliche und berufliche Umgebung bringt uns Dinge, Menschen und Tätigkeiten für die und bei denen wir Verantwortung übernehmen können, sollen oder müssen. Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Aspekten trägt in großem Maße dazu bei, wie wir mit unserer Kraft zurechtkommen und ob wir gesund bleiben oder womöglich überlastet und krank werden.

Wichtige Elemente, um Verantwortung teilen zu lernen sind:

  • Erkennen und spüren lernen, wieviel Verantwortung für mich gut ist
  • Ich von (unnützen) Lasten befreien – und erkennen, was Lasten und was Bereicherungen sind im eigenen Leben
  • Verantwortung an frühere Generationen zurückgeben
  • Selbstüberforderung einschränken                                                                                           

Teilen macht glücklich! Der entscheidende Punkt, der für ein Abgeben und Teilen von Verantwortung spricht: Alle Beteiligten können dabei gewinnen. Durch Teilen von Verantwortung entsteht Freude. Und Freude motiviert ungemein – viel stärker und nachhaltiger, als es zum Beispiel Angst vor Bestrafung macht. In der Psychologie spricht man von einem positiven Verstärker. Positive Verstärker sind „Belohnungen“, die wir für ein Verhalten bekommen, beispielsweise ein Dank von einem Vorgesetzten für einen abgeschlossenen Arbeitsschritt, ein Lächeln, das man dem Paketboten schenkt. Sie wirken nachweislich besser und anhaltender als die sogenannten negativen Verstärker. Dies sind Sanktionen, also zum Beispiel eine Strafarbeit wegen Störens im Unterricht. Wenn wir uns also darauf freuen können, Verantwortung abzugeben und zu teilen, dann wird es uns leichter fallen, dies auch umzusetzen.

Warum sollte es aber eigentlich Freude machen, Verantwortung zu teilen? Ein Beispiel aus der Musik:

Kyrill Petrenko, gefeierter und mehrfach ausgezeichneter ehemaliger Dirigent des Bayerischen Staatsorchesters und auf den Bühnen der Welt zu Hause, ist ein (körperlich sehr kleiner und eher unscheinbarer) Mann, der seit Jahren keine Interviews gibt. Er muss ein über alle Maßen faszinierender Mensch sein. Für seine Musiker ist er eine Sensation, Quell von Freude und Ziel von Ehrgeiz, so gut wie nur irgend möglich zu spielen. Das sagen Musiker aus seinem Orchester, das zeigt sich aber auch in verschiedenen hochrangigen Preisen, wie dem viermaligen Titel „Dirigent des Jahres“. Das „Lustige“ am Dirigenten ist nun, dass er eigentlich nichts wirklich Produktives macht. Er macht ja nicht mal einen Ton. Alles, was er tut, ist Luft zerschneiden. Was macht er also? Ist er der Ober-Boss, der Verantwortliche? Top-Dirigenten stehen immer vor Top-Musikern. Alle sind Profis, die ihr Instrument perfekt beherrschen und natürlich genau wissen, wie sie wann  einsetzen sollen. Wozu brauchen sie jemanden, der vor ihnen gestikuliert? Vor ein paar Jahrhunderten gab es dieses Berufsbild noch gar nicht. In früheren Orchestern war der Konzertmeister (in der ersten Geige) der Taktgeber. Er gab Einsätze und Betonungen vor. Mit der Zeit fand man heraus, dass etwas Anderes und Besseres entstehen kann, wenn der Taktgeber nicht auch noch ein Instrument spielt und sich komplett auf das Zusammenspiel konzentrieren kann. Er nimmt etwas in die Hand, gibt „durch die Luft“ Emotionen und Kraft weiter, die die vielen Instrumente zu einem Ganzen verschmelzen lassen. Der Dirigent übernimmt Verantwortung. Und teilt sie gleichzeitig wieder aus. Es entsteht eine Gemeinschaft, ein Zusammenspiel, etwas Einzigartiges. Faszinierende, berauschende, hoch emotionale Musik.

Nicht nur in der Musik entsteht durch geteilte Verantwortung mehr Freude oder mehr Lebensqualität. Das Gefühl, in einem sich gegenseitig unterstützenden Team zu arbeiten, kann so erfüllend sein, dass Arbeit richtig Spaß macht. Ein gelungenes Fest, das man mit einer kleinen Gruppe von Menschen organisiert hat, bleibt noch lange positiv in Erinnerung.  In dem folgenden Beispiel erzähle ich, wie eine Patientin über das Teilen von Verantwortung glücklicher geworden ist – und mit ihr die ganze Familie:

Thea Ippen hat das Gefühl unter der Last zu ersticken. Den Handwerksbetrieb, den sie mit ihrem Mann führt, die pflegebedürftigen Schwiegereltern im Haus, die eigene Mutter vor kurzem verwitwet und sehr anhänglich – es ist einfach zu viel und sie merkt es bei jedem Schritt. Als sie nach und nach versucht, erst kleine (Arztbesuche der Mutter), dann größere Dinge (Organisation einer neuen Pflegekraft für die Schwiegereltern) nicht mehr alleine zu machen, sondern sich Unterstützung zu holen oder auch mal zu sagen „Das schaffe ich heute nicht“, beginnt sie wieder durchzuatmen. Die Treffen mit ihrer Mutter sind weniger belastet, weil die Mutter mehr Eigeninitiative übernimmt. Thea hat kein schlechtes Gewissen mehr und das Zusammensein mit ihrer Mutter ist nun ein größerer Genuss. Auch ihre Mutter freut sich an der nun viel entspannteren Tochter. Selbst ihr Mann lässt sich mitreißen und spricht das erste Mal offen über die Belastung, die er selbst empfindet. Die gemeinsamen Unternehmungen werden so wertvoller und für alle genussvoller.

Die Freude steigt also, wenn wir Verantwortung bewusst und sensibel teilen. Und die Freude steigt nicht nur, wenn die Verantwortung dann geteilt ist, sie steigt sogar schon vorher. Wenn wir – statt schon im Vorfeld unter der Last zu stöhnen, Kopfschmerzen zu bekommen oder womöglich in Angst zu versinken – uns auf etwas freuen können, dann haben wir schon im Vorfeld mehr Spaß daran. Wenn es gut läuft, dann können wir es kaum erwarten, malen uns die Zukunft positiv aus und schmieden Pläne. Denken Sie an Urlaubspläne: Es gibt Menschen, die können sich schon Wochen und Monate auf eine Reise freuen, und im Kopf entstehen die schönsten Bilder und Vorstellungen, wo es hingehen und wie es dort sein könnte. Wenn wir uns so auch auf geteilte Verantwortung freuen könnten, wie sehr würde uns das motivieren und den Alltag versüßen!

 

 

 

Persönliche Vorstellung und großes HAYDN-CHORPROJEKT 2022

 

1. Kurzvorstellung Kantor Alexander Kuhlo

 

Gott zum Gruße, liebe „Mitarbeiter*innen am Psalm 150“ (Johannes Kuhlo),

nun bin ich schon ein halbes Jahr im Amt des Dekanatskantors im Prodekanat München-Ost als Nachfolger von KMD Georg Ziethe und entbiete Ihrer Gemeinde meinen herzlichen Gruß.

Einige von Ihnen haben mich bereits in praxi kennengelernt und viele schöne Gottesdienste zum Lobe des Herrn waren mir in der Dreieinigkeitskirche bereits zu gestalten möglich mit frischer und anspruchsvoller Kirchenmusik sowohl an den Instrumenten (vermehrt durch meinen Steinway-Flügel, den ich der Gemeinde zur Verfügung gestellt habe), als auch mit den vorhandenen kirchenmusikalischen Ensembles (Kantorei, Kinderchöre, Kindergartensingen und Bläsergruppe), so dass ich gut inmitten der Gemeinde angekommen bin und mit viel Schwung meine kantorale Arbeit aufnehmen konnte.

Auch die von mir initiierten Gemeindebesuche sind schon ein gutes Stück vorangekommen, ich konnte die Gemeinden Ismaning, Feldkirchen, Baldham, Unterföhring und Kirchheim bereits mit einem Kennenlernbesuch begrüßen, was jedes Mal sehr instruktiv und spannend war, was sich in weiterführenden Gesprächen und Beratungen niedergeschlagen hat.

Auch Orgelberatungen, wie zum Beispiel in Ismaning bei Pfarrer Klingenberg, gehören zu meinem Aufgabenfeld, so dass sie mich im Bedarfsfalle gerne dazu kontaktieren können.

Da mir die nebenberufliche Kirchenmusikerausbildung auch sehr am Herzen liegt, habe ich begonnen, mich in die C-Ausbildung der Münchner Dekanatskantoren*innen einzubringen, und erwarte daher einige Orgelschüler*innen.

Das sogen. „Sängerforum“ der Münchner Dekanatskantoren*innen habe ich vom Vorgänger übernommen und freue mich auf ein erstes Mal in Dreieinigkeit mit 13 Sänger*innen aus ganz Deutschland am 14.10. 2021.

Die Orgelrestaurierung in Dreieinigkeit (Steinmeyer-Orgel von 1937) geht in großen Schritten voran in Zusammenarbeit mit der Fa. Schuke aus Berlin, die Einweihung der restaurierten Orgel ist für den 1. Advent 2022 angedacht, sofern alles nach Plan läuft. Damit steht dann ein Instrument zur Verfügung, das große Konzert-reihen, aber auch feines gottesdienstliches Orgelspiel ermöglicht und worauf ich mich schon sehr freue.

Ich denke, dass die Kirchenmusik in all unseren Gemeinden ein großer Schatz ist respektive ein blühender Garten mit vielen verschiedenfarbigen Blumen, der bestellt und gepflegt sein will.

 

2. HAYDN-Chorprojekt im Herbst 2022

Unter der zukunftsträchtigen Thematik „Evangelisch in Bogenhausen“ planen die beiden Kantoren Alexander Kuhlo und Christian Seidler gemeindeübergreifend für den Herbst 2022 ein großes Chorprojekt mit dem Alterswerk des großen Komponisten der Wiener Klassik, Joseph Haydns (1732-1809) Oratorium DIE SCHÖPFUNG nach einem Text von Baron Gottfried van Swieten, einem kunstsinnigen und gebildeten Adligen der damaligen Zeit, der auch zu Mozart beste Beziehungen unterhielt. Das Werk mit seiner opulenten Besetzung erfordert einen großen vokalen, aber auch instrumentalen Apparat (drei Solisten und großes Orchester).

Um den Ansprüchen dieser humanistischen und vor allem christlichen motivierten Musik mit ihrer zeitlosen Aussagekraft gerecht zu werden, wollen die beiden Kantoren im Laufe der nächsten Monate in ihren Chören fleißig proben, zunächst getrennt, dann aber auch zusammen und immer mal wieder im Gottesdienst einzelne Chorsätze aus dem gewaltigen Werk zum Klingen bringen.

Ein Aufführungsort, der den großen Klangapparat (ca. 100 Chorsänger*innen, ca. 30 Musiker*innen im Orchester mit historischen Instrumenten plus drei Gesangs-solisten/in) sinnvoll aufnehmen kann und akustisch dafür geeignet ist, wird noch eruiert.

In jedem Falle wird es ein zukunftsweisendes Projekt, das die kirchenmusikalischen Kräfte im Prodekanat bündelt und zu einem besonderen Ergebnis zusammenführen will „ad maiorem gloriam Dei“ (zur höheren Ehre Gottes).

Interessierte neue Sänger*innen sind beiden Kantoren in ihren Chören, vor allem ab Anfang nächsten Jahres, willkommen und dürfen gerne die Chorproben besuchen, zum Beispiel immer mittwochs ab 19.45 Uhr in Dreieinigkeit im Gemeindesaal.

Es steht auch im raume rund um dieses Vorhaben eine Vortragsreihe o.ä. zum aktuellen Thema „Bewahrung der Schöpfung“ mit unterschiedlichen Referenten aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu initiieren. Diese Überlegung muss allerdings noch in Ruhe abgestimmt werden.

Ich denke, es ist deutlich geworden, dass wir uns alle in den Bogenhauser Gemeinden auf dieses schöne und gemeinschaftsstiftende Chorprojekt im nächsten Jahr von Herzen freuen dürfen und darin die Chance entdecken dürfen, übergemeindlich unter dem Dache „Evangelisch in Bogenhausen“ zur eigenen Freude und was genauso wichtig ist: zum Lobe Gottes und seiner grandiosen Schöpfung, die leider von den Menschen unserer Zeit nicht so behandelt und gepflegt wird, wie dies im Sinne des Schöpfers gedacht ist. Gott befohlen!

 

Kantor Alexander Kuhlo

im Oktober 2021

 

 

 

Gemeindebrief 2021-2:  Hoffnung

Hier gibt es die kompletten Interviews zum Thema Corona mit Mitgliedern unserer Gemeinde:

 

 

Interview mit Andreas Riepl, Orchestermusiker und Elternbeirat Immanuel-Kindergarten


Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie persönlich verändert?                                                                                                                                     

Beruflich in den ersten Pandemiemonaten alles. Wie für viele andere Arbeitnehmer war auch für mich der Betrieb eingestellt und ich war ausschließlich zu Hause. Ab Juni konnten wir dann, wenn auch in verkleinerter Besetzung und mit weniger Terminen, wieder weiterarbeiten. Der Schwerpunkt des Musizierens hat sich nach Hause verlagert. Meine Arbeitszeiten sind dadurch flexibler geworden, anstelle abends im Nationaltheater zu sein bin ich nun oft bei meinen Kindern. Die nun mögliche zusätzliche Zeit mit der Familie hat unsere Beziehungen noch intensiviert. Die beruflich einschneidenste Veränderung ist sicherlich die, ohne den direkten Publikumskontakt zu spielen. Atmosphäre und Resonanz fehlen, das ist frustrierend. Wie wichtig das Publikum als physisches Gegenüber ist, merke ich deutlich.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?    Haben Sie in den letzten 12 Monaten Dinge, Werte, Haltungen, Aktivitäten entwickelt, bzw. unternommen, die Sie nach Ende der Krise beibehalten möchten? 

Beruflich die Wertschätzung des Publikums, das gemeinsame Erleben ist nicht zu ersetzen. Privat werden das vielleicht die Videokonferenzen sein, durch die wir im Kontakt mit entfernter wohnenden Freunden sind und die wir in die Nachpandemiezeit retten wollen.

Werte: Aufeinander Rücksichtnehmen, indem wir z.B. uns selbst und andere gleichzeitig schützen! Eigenes Verhalten so ausrichten, dass auch die anderen etwas davon haben. (Bei Erkältung nicht ohne Maske in die volle U-Bahn oder Bus) 

Sehen Sie im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen (z.B. Verhältnis Mensch-Natur), von denen Sie hoffen, dass sie anhalten?

Verhältnis zu Reisen wird sich hoffentlich nachhaltig verändern, die Notwendigkeit von privaten und geschäftlich notwendigen Flugreisen wird genauer überlegt werden. Auch meine ich, dass mehr Wert und Achtsamkeit auf ein Zuhause gelegt wird, in dem ich mich wohl fühle. Gemeinsames Erleben, z.B. bei Festen, wird mehr geschätzt werden.

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie global vernetzt und zugleich fragil unser öffentliches Leben ist. Welche Rolle spielt Solidarität für Sie jenseits von gemeinsamen Aktionen bei globalen Krisen?

Wenn wir dieses Problem nicht global gelöst bekommen ist es nicht gelöst - so gibt es keine Alternative zu einem fairen und für alle möglichen Zugang zu Impfstoffen.

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen erschweren das Beisammensein und die Unterstützung anderer in der Gesellschaft. Ist es Ihnen gelungen, trotz dieser Herausforderungen anderen Beistand zu leisten?  Haben Sie Beistand erlebt?

Mit meinen fast 80- jährigen Eltern konnte ich durch Videokonferenzen auch trotz der Beschränkungen gut in Verbindung bleiben, unsere Kinder haben die Kontakte auch zu älteren Nachbarn über fast tägliche Fenstergespräche vertieft. 


Das Interview führte Christine Heilmeier

 

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Interview mit Gabriele Bartra, 78 Jahre alt


Titel: „Solidarisch sein gehört für mich zum Alltag“

Einleitung:

Menschen brauchen Menschen. Auch nach Ende der Pandemie soll die Unterstützung für Menschen in Not und die Liebe und Fürsorge füreinander fortgeführt werden, so Gabriele Bartra.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für dich persönlich verändert, und wie gehst du mit der neuen Lage um?

Im Wesentlichen hat sich nicht viel für mich verändert. Ich kann mich selber ganz gut 

Beschäftigen. Allerdings fehlen mir schon einige Aufgaben oder Beschäftigungen, die ich vor der Pandemie regelmäßig gemacht habe und die zurzeit leider nicht möglich sind, wie zum Beispiel mein Kinderbuch-Projekt mit den Kindern in der Montessori-Schule und das Mitspielen in der Flötengruppe. Doch finde ich trotzdem immer eine kleine Aufgabe, die Sinn macht.        

Hast du in den letzten 12 Monaten eine persönliche Erfahrung gemacht, die du als positiven Impuls für deine Zukunft mitnimmst?

Eigentlich habe ich meinen Lebensstil, der ziemlich einfach ist, in Corona-Zeiten so weiter führen können wie in der Zeit davor. Meine persönliche Erfahrung ist, jeden Tag noch bewusster zu leben und das Beste aus jeder Situation zu machen. Das ist die Einstellung, mit der ich jeden Tag angehe und mich auf meine Zukunft vorbereite, von der ich nicht weiß wie sie aussehen wird. Ich lasse mich überraschen.

Siehst du im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen, von denen du hoffst, dass sie anhalten?

Ja, ich glaube, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die endlich lernen, dass man auch mit weniger auskommen und damit zufrieden sein kann. Ich hoffe, dass es nicht nur anhält, sondern dass wir uns alle die Lebensphilosophie zu eigen machen: „Weniger ist mehr“.

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie weltweit vernetzt und zugleich fragil unser öffentliches Leben ist. Welche Rolle spielt Solidarität für dich persönlich, nicht nur in Zeiten von globalen Krisen wie dieser Pandemie?

 Solidarisch sein gehört für mich zum Alltag. Menschen brauchen Menschen. 

 Jesus richtete seinen Blick immer auf die Menschen. So sehr lagen sie ihm am Herzen.  

 

Das Interview führte Eliphas Nyamogo

 

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Interview mit Heri Nyamogo, 11 Jahre alt


Titel: „Ich habe Freizeit, bin aber nicht wirklich frei“

Einleitung:

Seit über einem Jahr sind auch Kinder wegen der Corona-Pandemie in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Der elfjährige Heri über seine Erfahrungen und wie er die Krise wahrnimmt.

Was ärgert dich am meisten über das Coronavirus?

Die Kontaktverbote finde ich am schlechtesten. Ich habe drei beste Freunde in meiner neuen Schule und wir dürfen uns nicht mehr zusammentreffen. Ich kann mich immer nur mit einem treffen. Da es mir sehr schwer fällt zu entscheiden, wen ich treffe, bleibe ich lieber zuhause.

Hast du Angst vor dem Virus?

Vor dem Virus selbst habe ich nicht so viel Angst. Ich habe aber sehr viel Angst davor, jemanden anzustecken, der vielleicht wegen einer anderen Krankheit nicht so stark ist wie ich. Meine Großeltern wohnen in Kenia, und ich habe sie seit vier Jahren nicht mehr gesehen. Selbst wenn wir heute nach Kenia reisen würden, würde ich sie nicht besuchen, weil sie schon sehr alt und nicht mehr ganz gesund sind.

Gibt es etwas, das du früher für selbstverständlich gehalten hast, für das du jetzt aber besonders dankbar bist?

So viele Dinge sind neu und merkwürdig. Vor dem Ausbruch der Coronapandemie haben wir oft Ausflüge gemacht oder Freunde besucht und gemeinsam gegrillt, gekocht und bei denen im Garten gefeiert. Das dürfen wir nicht mehr. Früher bin ich jede Woche Schwimmen oder zum Fußball-Training gegangen. Auch das geht nicht mehr. Ich habe oft Freizeit, bin aber nicht wirklich frei. Ich genieße jede Gelegenheit, mich mit meinen Freunden auszutauschen, auch wenn es nur online ist.

Und wie bleibt ihr online in Kontakt?

Wir verabreden uns zu einem Videospiel oder schauen uns einen Film an und reden darüber. Das macht Spaß, kann aber den persönlichen Kontakt nicht ersetzen.

Gibt es etwas Positives für dich, wenn du an die Pandemie denkst?

In unserem Wohnblock haben mehrere junge Leute angeboten, für ältere Nachbarn und andere, die einer Risikogruppe angehören, einkaufen zu gehen. Das ist eine sehr coole Geste. Ich finde es auch sehr schön, dass wir mehr Zeit zusammen verbringen als Familie. Selbst unter der Woche ist mein Vater meistens zu Hause, weil er fast nur noch im Homeoffice arbeitet.

 

Das Interview führte Eliphas Nyamogo.

 

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Familie Domanja/Lieb
 

Familie Domanja/Lieb hat zwei Kinder im Krippen- und Kindergartenalter. Die Eltern arbeiten seit Corona weitgehend im Home Office. Das Interview wurde mit Frau Domanja geführt.

Auf die Frage nach der Veränderung ihrer Alltagsroutine antwortet sie folgendermaßen:
„Für uns hat sich durch Home Office und die häusliche Betreuung der Kinder der tägliche Ablauf völlig verändert. Durch den Wegfall von Dienstreisen und die Einschränkung privater Kontakte sind wir viel zuhause. Dadurch ist aber auch der Termin- und Freizeitstress weniger geworden. Wir sind spontaner geworden, nicht so „verbucht“. Der Urlaub wird nicht lange im Voraus geplant, die Erholung findet im näheren Umfeld statt“.

Durch die Kontaktsperre konnte Frau Domanja ihre in der Nähe von Ingolstadt lebende Mutter weder im Haushalt noch bei Einkäufen persönlich unterstützen. Durch viele Telefonate und online Bestellungen war sie trotzdem für ihre Mutter da. Als sich die Kontaktbeschränkungen zu den Großeltern lockerten, erhielt Frau Domanja viel Unterstützung von den Omas. Beide kümmerten sich intensiv um die Kinder.

Auf die Frage nach positiven Impulsen für die Zukunft
nannte Frau Domanja folgende: „Ich plane weniger Termine, um nicht in Terminstress zu geraten. Ich habe erlebt, dass die Reduktion von Kontakten zu mehr Beziehungsintensität führt. Ich werde manche Dinge nicht mehr als selbstverständlich betrachten, das führt zu mehr Zufriedenheit! Ich empfinde Dankbarkeit, dass die Menschen in unserem Umfeld bisher gesund geblieben sind und dass wir nicht existentiell bedroht sind. Die Freizeitmöglichkeiten in meinem Wohnumfeld weiß ich neu zu schätzen. Besonders glücklich bin ich, dass ich durch die Kontaktbeschränkungen intensiver mit den Kindern zusammen bin und erlebe, was sie wahrnehmen.“ 

In zwei Bereichen erwartet Frau Domanja positive Entwicklungen für die Gesellschaft:
Die Digitalisierung der Arbeitswelt mit dem Einhergehen von Home Office wird zu größerer Flexibilität in der Organisation von Beruf und Familie führen. Ferner ist sie der Meinung, dass die Reduktion der beruflichen und privaten Mobilität dem Klima und der Umwelt zugutekommen wird.

 

Das Interview führte Kristina Gensch

 

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Interview mit Kathi Engelmann und Tochter (9 Jahre)
 

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie (oder dich, je nachdem, wie gut die Gesprächpartner*innen sich kennen) persönlich  verändert, und wie gehen Sie mit der neuen Lage um?

Ich bin kein großer Freund von Veränderungen und lebe meinen Alltag gern durchstrukturiert, um den Überblick zu behalten. Ich setzte mir in der Anfangsphase teils zu große Ziele – der ständige Wechsel der Situationen machte mürbe. Es war schwer, einen Weg zu finden, Allem und Jedem gerecht werden zu können – sei es der „systemrelevante Job“ (der aber nur ohne Homeoffice möglich war) zzgl. Homeschooling, KiGa-/Freunde-Ersatz und dazu Haushalt, der Wunsch nach Freizeitaktivitäten, Kinder „lüften“. Über die Monate hinweg ist man gewachsen und auch wenn ich ständig müde bin und gern wieder feste Strukturen hätte, die auch mal eine Weile bleiben, ist es mittlerweile okay. Man resigniert und funktioniert erstaunlich gut. Ich bin dankbar, seit Januar auch Homeoffice nutzen zu können, des erleichtert vorallem das Homeschooling der großen Tochter. Die kleine Tochter war anfangs daheim, geht nun aber regelmäßig (tageweise) zur Notbetreuung in den KiGa, da wir unserem Wirbelwind zwischen Homeoffice/Homeschooling nicht gerecht werden konnten.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?

Bewusst durchatmen: Spaziergänge am Abend alleine um den Block, Wochenenden freihalten und zu 4rt in Familie verbringen.

Worauf freue ich mich nach der Pandemie?

Unbeschwert und jederzeit die Familie besuchen zu können, Schwimmbad mit den Kids, „Elternabende“ mit meinem Mann inkl. Restaurantbesuch. Einfach mal nicht kochen sondern pudern lassen, Saunabesuche und Wellnesstage für Mutti allein 

Haben Sie in den letzten 12 Monaten Dinge, Werte, Haltungen, Aktivitäten entwickelt, bzw. unternommen, die Sie nach Ende der Krise beibehalten möchten?

Ich kann definitiv materiell verzichten, ohne dass es mich schmerzt im Alltag. Ich möchte gern weiterhin terminfreier leben und die Zeit zu 4rt genießen, weiterhin viel die nähere Natur erkunden, wandern, Gesellschaftsspiele.. Aber auch einfach mal Freunde treffen – ich brauche keine große Party aber Sinnesgleiche, mit denen man sich auch mal in größerer Runde persönlich austauschen kann. Videocalls funktionieren aber ich wünsche mir unbeschwerte Mädelsabende in der Gartenlaube zurück.

Sehen Sie im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen, von denen Sie hoffen, dass sie anhält?

Rücksicht. Verständnis. Abstand.

Ich finde es tatsächlich angenehm, dass man gerade bei Einkauf etc nicht so bedrängt wird.

Glauben Sie, dass sich das Verhältnis Mensch/Natur nach Corona positiv verändern wird?

Gibt es wirklich eine Zeit „nach Corona“? Ich glaube des bleibt uns noch viele Jahre … und ja, ich bin da nicht so ganz belesen, um eine gute Aussage zum Verhältnis Mensch/Natur zu treffen …. aber selbst ein Normalo erkennt, dass es der Natur hilft, wenn weniger Flugzeuge fliegen, lange Autostunden gen Urlaubsziele entfallen und ja, ich kann auch auf Strohhalme verzichten – aber der ganze Müll, der durch verlorene Masken entsteht (wo man die überall entdeckt, mitten im Wald – irre!) und der ganze Müll durch die Schnelltests ist unverständlich. Da hoffe ich einfach, dass die Zeit auch etwas bewirkt und diese aktuell zusätzliche Müllbelastung „nach“ Corona einfach sich wieder entspannt.

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie global vernetzt und zugleich fragil unser öffentliches Leben ist. Welche Rolle spielt Solidarität für Sie jenseits von gemeinsamen Aktionen bei globalen Krisen?

Gastronomie unterstützen, indem man sich doch mal Essen am Abend holt.

Musiklehrer unterstützen, Online Unterricht funktioniert!

Künstler/Musiker durch OnlineKonzerte zuhören/unterstützen.

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen erschweren das Beisammensein und die Unterstützung anderer in der Gesellschaft. Ist es Ihnen gelungen, trotz dieser Herausforderungen anderen Beistand zu leisten?  Haben Sie Beistand erlebt?

Die Familie wochenlang nicht sehen zu können, sind wir aufgrund der Entfernung nach Thüringen/Berlin gewohnt. Familie und Freunde waren und sind dank Telefon/WhatsApp/Skype immer greifbar. Das ist eine große Erleichterung und man ist sich trotz der Entfernung stets nahe.

Als der ganze Zirkus losging, haben wir ein enormes Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Nachbarschaft erleben dürfen, die während der Ausgangsperre täglich gemeinsam „Freude schöner Götterfunken“ gesungen hat am Abend - das hat sehr für ein Gefühl von Zusammenhalt gesorgt. Die Kinder haben das Lied zudem auf Flöte und Klavier geprobt und das abendliche Treffen um 18h am Balkon war sentimental  und zugleich befreiend.

Freunde in Quarantäne konnte man durch Einkäufe, Malbilder, Gesellschaftsspielausleihe etc. unterstützen und telefonischen Beistand leisten - als wir selbst mal ein paar Tage in Quarantäne waren, haben wir gleiche Unterstützung erhalten.

Geburtstage 2020 wurden ganz anders und bewusst zelebriert, vor allem für unsere große Tochter - es standen so viele Freunde/Bekannte vor der Türe und legten Geschenke auf den Fußabtreter, die normaler Weise vermutlich nie an den Geburtstag gedacht hätten oder besser es im Alltag vermutlich vergessen hätten vor lauter Hektik. Die Nachbarschaft sang, das Happy Birthday erklang via Saxophon durch den Innenhof. Geschenkesuche via Balkonzurufen im Innenhof, tausende Anrufe, Videocalls. Ein ganz bewusster Geburtstag und es war schön, wie unsere Tochter bedacht wurde. Die Geburtstage 2021 waren dann wieder voller Versuchung, etwas anderes zu ermöglichen, war ja auch erlaubt – aber 2020 bleibt in fester Erinnerung.

 

­­­Kinderfragen  (Emma, 9 Jahre alt)
 

Gibt es etwas Positives für dich/Sie, wenn du/Sie an die Pandemie denkst(en)?

Ich mag Homeschooling, weil ich die Schulaufgaben dann erledigen kann, wann ich es mag und in meinem Tempo. Ich kann dabei öfters mal aufstehen und Pausen einbauen.

Gibt es etwas, das du/Sie früher für selbstverständlich gehalten hast, für das du/Sie jetzt aber besonders dankbar bist?

Freunde treffen.

Und wie bleibt ihr online in Kontakt?

WhatsApp-Nachrichten/Anrufe.

Hast du Angst vor dem Virus?

Nein.

Was ärgert dich am meisten über das Coronavirus?

Das man nicht weit weg fahren kann.

 

Das Interview führte Christine Heilmeier

 

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Interview mit Markus Zengler, Mesner und Hausmeister
 

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie persönlich verändert?

Ich wohne ja über dem Gemeindehaus. Sonst höre ich bei mir oben auch, wenn die Chöre proben oder Gruppen sich treffen. Jetzt ist alles viel stiller, es fehlt die Betriebsamkeit. Für mich bleibt der Betrieb aufrechtzuhalten auch bei deutlich weniger Nutzung der Räume. Mir fällt auf, dass die Leut, denen ich begegne, mehr Zeit haben, für tiefergehende Gespräche.

Wie gehen Sie mit der neuen Lage um?

Als Single bin ich es gewohnt mit mir alleine zu sein. Ich sehe mich nicht so betroffen, komm gut damit klar, auch wenn der physische Kontakt zu Freunden und Bekannten fehlt. Am Anfang der Pandemie war das gezwungene Runterfahren für mich auch ein Zu mir selbst Kommen, raus aus dem Hamsterrad, wir hatten sonst die ganze Zeit superviele Veranstaltungen. Meinen Sport, Rennrad fahren, kann ich weiter betreiben, im Winter fehlt mir sehr der Ausgleich durchs Fitnessstudio. Die ersten Wochen mit den strikten Beschränkungen habe ich als notwendige Maßnahme gesehen. Die Maske ist für mich kein Problem, ich habe mich dran gewöhnt.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?

Wieder achtsamer mit mir selber zu sein. Nicht mehr von einer Veranstaltung zur anderen zu hetzen. Vor Weihnachten gab es sogar auch besinnliche Zeit. Und ich hab mir zum ersten mal selber einen Adventskranz gekauft.

Haben Sie in den letzten 12 Monaten Dinge, Werte, Haltungen, Aktivitäten entwickelt, bzw. unternommen, die Sie nach Ende der Krise beibehalten möchten? 

Durch das vermehrte Kochen hab ich mehr Spaß dran, das werde ich beibehalten. Und die größere Achtsamkeit fürs hier und jetzt. Auch mal Runterkommen, nicht immer gleich beim Nächsten sein.

Sehen Sie im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen (z.B. Verhältnis Mensch-Natur), von denen Sie hoffen, dass sie anhalten?

Ich bin skeptisch ob nicht jeder, sobald es geht, sofort wieder in Urlaub fliegt. Vielleicht bleibt doch mehr Solidarität, ,dass wir uns bewusster  um die Familie und vor allem um die Älteren kümmern. 

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie global vernetzt und zugleich fragil unser öffentliches Leben ist. Welche Rolle spielt Solidarität für Sie jenseits von gemeinsamen Aktionen bei globalen Krisen?

Wir jammern auf hohem Niveau - klar für die Kinder ist es schwer momentan, aber wir Erwachsenen haben trotzdem noch viele Möglichkeiten. In Italien oder Frankreich war das viel strenger.

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen erschweren das Beisammensein und die Unterstützung anderer in der Gesellschaft. Ist es Ihnen gelungen, trotz dieser Herausforderungen anderen Beistand zu leisten?  Haben Sie Beistand erlebt?

Ich habe Hilfe angeboten, aber es war nicht viel Bedarf, da viele andere Hilfsangebote z.B. der Jugend da waren.

 

Das Interview führte Christine Heilmeier

 

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Gespräch mit Frau Hannelore Ziegler


Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie  persönlich  verändert, und wie gehen Sie mit der neuen Lage um?

Der Alltagsbewältigung ist schwieriger geworden. Ich habe häufig Termine versäumt, bzw. mich im Datum geirrt, wohl weniger durch Vergeßlichkeit eher mangels Konzentration

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen erschweren das Beisammensein und die Unterstützung anderer in der Gesellschaft. Haben Sie Beistand erlebt?

Ja, vor allem durch die Kirchengemeinde. Es hat sich jemand um einen Impftermin gekümmert, mich mit dem Auto hingebracht, auch zu anderen Terminen gefahren.

Auch die Mitbewohner im Haus haben untereinander Kontakt gehalten und sich gegenseitig unterstützt.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?

Ich muß die Lage hinnehmen, wie sie ist.Ich habe gemerkt, daß ich  mich auf meine eigenen Füße stellen muß und mich nicht gehen lassen darf.

Zur Zeit vor der Pandemie gibt es wenig Veränderung, allerdings ist der Kontakt mit Mitmenschen deutlich enger geworden.

 

Das Interview führte Ruth Stark

 

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Gespräch mit Herrn Wolfgang Mönch


Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie persönlich  verändert, und wie gehen Sie mit der neuen Lage um?

Der Kontakt zu meinen Söhnen ist enger geworden. Sie haben mir beide „verboten“., das Haus zu verlassen, sonst würden sie mir das Auto wegnehmen. Bei dem einen Sohn bin ich einmal am Wochenende eingeladen, habe so auch Kontakt mit den Enkeln. Der andere Sohn hat das  Einkaufen übernommen und bringt sie mir einmal die Woche und bleibt dann zum Abendessen. Früher war der Kontakt  seltener.

Die Kontakte nach außen sind allerdings nahezu vollständig weggebrochen. Es wird häufiger telefoniert. Der Bekanntenkreis nimmt allerdings ab. Besonders schmerzhaft war es, als ein Bekannter starb und ich nicht an der Beerdigung teilnehmen durfte. Diese Kontaktbeschränkung ist zwar notwendig, aber sie tut weh.

Auch „aus dem Haus gehen“, spaziergänge etc. mache ich nicht, da ich keinen treffen möchte und damit Kontakte vermeiden will

Es fehlt der Kontakt auch zu Nachbarn, dieser ist nur möglich, wenn der andere dazu bereit ist. Es gubt Mitmenschen, die kontaktbereit sind und andere, die sind es nicht.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?

Der Kontakt zur Familie, das Generationenverhältnis ist enger und vor allem vertrauensvoller geworden. Die Probleme sind mehr bekannt. Trotz des Beachtens der Coronabeschränkungen ist ein enger und guter Kontakt entstanden.

Die Bereitschaft zur Hilfe ist gestiegen. So hat eine jüngere Nachbarin per Brief angeboten, Einkaufshilfe zu leisten.

Der Kontakt zu meinen Söhnen ist enger geworden. Sie haben mir beide „verboten“., das Haus zu verlassen, sonst würden sie mir das Auto wegnehmen. Bei dem einen Sohn bin ich einmal am Wochenende eingeladen, habe so auch Kontakt mit den Enkeln. Der andere Sohn hat das  Einkaufen übernommen und bringt sie mir einmal die Woche und bleibt dann zum Abendessen. Früher war der Kontakt  seltener.

Sehen Sie im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen, von denen Sie hoffen, dass sie anhält?

Es gibt zweierlei Kontakte, positive und negative: Manche Bekannte kommen nicht mehr, ich weiß nicht warum. Die familiäre Bindung ist enger geworden, ich glaube. Daß dies auch in Zukunft so bleibt.

Die Bereitschaft zur Hilfe ist gestiegen. So hat eine jüngere Nachbarin per Brief angeboten, Einkaufshilfe zu leisten.  Auch jetzt, nachdem die Beschränkungen etwas gelockert, bleibt dieses Hilfsangebot bestehen.

 

Das Interview führte Ruth Stark 


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Zum Inhalt und zur Gestaltung:

Im Rahmen der Fusion wurden die beiden Gemeindebriefe aus Immanuel und aus Nazareth zusammengeführt und haben im "fusionierten" Gemeindebrief eine Wandlung erfahren, eine bewusste Wandlung. Das erste Redaktionsteam hat intensiv darüber nachgedacht, wie es möglich ist, beide „Welten“ bestmöglich zusammenzubringen.
Lange haben wir nach einem neuen Namen gesucht. Es sollte weder "Gemeindespiegel" noch "Gemeindebrief" werden. Wir fanden keinen und – das Gute ist - wir brauchen keinen. Dass hier von Gemeindebrief gesprochen wird, ist die neutrale Bezeichnung.

Klare Strukturen aus Immanuel
Vier Ausgaben im Jahr sind eine große Herausforderung. Klare Strukturen erleichtern die Arbeit für das Redaktionsteam. Einzelne Themenbereiche und Rubriken sind deshalb in jeder Ausgabe vertreten.

Leitthema - thematischer "Roter Faden" aus Nazareth
Der Inhalt folgt einem Roten Faden, dem Leitthema der Ausgabe. Daher gibt es eine Mischung aus zum Leitthema passenden Texten und Gruppenbeiträgen, die idealerweise auch das Thema aufgreifen. Daraus ergibt sich, dass nicht jede Gruppe in jeder Ausgabe zu Wort kommt. Auch das Titelbild greift das Leitthema auf und stellt es ikonisch dar.

Keine Berichterstattung, sondern nah am Thema
„Nichts wirkt staubiger und abgegriffener als die Zeitung von gestern.“ Zwischen Redaktionsschluss und Veröffentlichung liegt ein langer Zeitraum. Neuigkeiten und Berichte sind dadurch schnell Schnee von gestern. Das Redaktionsteam konzentriert sich auf Beiträge, die zum Leitthema passen und den Gemeindebrief zu einer facettenreichen und interessanten Lektüre werden lassen.

Layout / Gestaltung
Günstige Druckpreise erlauben uns den Farbdruck. Das ermöglicht eine lebendige Gestaltung. Hier liegt die größte Herausforderung, da der Gemeindebrief verschiedene Zielgruppen hat: Jung und Alt, mit ganz unterschiedlichen Lesegewohnheiten und Vorlieben. Das bedeutet für die Seitengestaltung und Bildauswahl einen Mittelweg zu finden, um möglichst allen Lesern gerecht zu werden. Das Redaktionsteam passt den Gemeindebrief im Handwerklichen wie auch Stilistischen immer weiter den Bedürfnissen der Gemeinde an.
Ziel ist es, mit dem Gemeindebrief die Vielfalt und Lebendigkeit unserer Gemeinde Gestalt zu geben und Ausdruck zu verleihen. Der Gemeindebrief ist Teil der Kommunikationskultur der Gemeinde Immanuel-Nazareth.