Gemeindebrief

Der Gemeindebrief erscheint vier Mal im Jahr in einer Auflagenhöhe von 5.000 Stück. Herausgeber ist die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Immanuel-Nazareth München.

Der Gemeindebrief enthält alle wichtigen Kontaktadressen, die aktuellen Gottesdienstzeiten, Veranstaltungshinweise, die regelmäßigen Angebote der Gruppen und Kreise und viele Artikel rund um das Gemeindeleben. Alle Gemeindeglieder, die in Denning, Zamdorf, Englschalking, Daglfing, Johanneskirchen oder Bogenhausen wohnen, finden die gedruckte Fassung des Gemeindebriefes automatisch alle drei Monate kostenlos in ihrem Briefkasten. Zusätzlich liegt die aktuelle Ausgabe auch im Eingangsbereich unserer Gemeindezentren zum Mitnehmen aus.

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Die vergangenen Ausgaben und die Festschrift zum Jubiläum "50 Jahre Immanuelkirche" stehen im Archiv als Download zur Verfügung.

Gemeindebrief PLUS

Hier gibt es die kompletten Interviews zum Thema Corona mit Mitgliedern unserer Gemeinde:

Interview mit Andreas Riepl, Orchestermusiker und Elternbeirat Immanuel-Kindergarten


Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie persönlich verändert?                                                                                                                                     

Beruflich in den ersten Pandemiemonaten alles. Wie für viele andere Arbeitnehmer war auch für mich der Betrieb eingestellt und ich war ausschließlich zu Hause. Ab Juni konnten wir dann, wenn auch in verkleinerter Besetzung und mit weniger Terminen, wieder weiterarbeiten. Der Schwerpunkt des Musizierens hat sich nach Hause verlagert. Meine Arbeitszeiten sind dadurch flexibler geworden, anstelle abends im Nationaltheater zu sein bin ich nun oft bei meinen Kindern. Die nun mögliche zusätzliche Zeit mit der Familie hat unsere Beziehungen noch intensiviert. Die beruflich einschneidenste Veränderung ist sicherlich die, ohne den direkten Publikumskontakt zu spielen. Atmosphäre und Resonanz fehlen, das ist frustrierend. Wie wichtig das Publikum als physisches Gegenüber ist, merke ich deutlich.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?    Haben Sie in den letzten 12 Monaten Dinge, Werte, Haltungen, Aktivitäten entwickelt, bzw. unternommen, die Sie nach Ende der Krise beibehalten möchten? 

Beruflich die Wertschätzung des Publikums, das gemeinsame Erleben ist nicht zu ersetzen. Privat werden das vielleicht die Videokonferenzen sein, durch die wir im Kontakt mit entfernter wohnenden Freunden sind und die wir in die Nachpandemiezeit retten wollen.

Werte: Aufeinander Rücksichtnehmen, indem wir z.B. uns selbst und andere gleichzeitig schützen! Eigenes Verhalten so ausrichten, dass auch die anderen etwas davon haben. (Bei Erkältung nicht ohne Maske in die volle U-Bahn oder Bus) 

Sehen Sie im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen (z.B. Verhältnis Mensch-Natur), von denen Sie hoffen, dass sie anhalten?

Verhältnis zu Reisen wird sich hoffentlich nachhaltig verändern, die Notwendigkeit von privaten und geschäftlich notwendigen Flugreisen wird genauer überlegt werden. Auch meine ich, dass mehr Wert und Achtsamkeit auf ein Zuhause gelegt wird, in dem ich mich wohl fühle. Gemeinsames Erleben, z.B. bei Festen, wird mehr geschätzt werden.

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie global vernetzt und zugleich fragil unser öffentliches Leben ist. Welche Rolle spielt Solidarität für Sie jenseits von gemeinsamen Aktionen bei globalen Krisen?

Wenn wir dieses Problem nicht global gelöst bekommen ist es nicht gelöst - so gibt es keine Alternative zu einem fairen und für alle möglichen Zugang zu Impfstoffen.

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen erschweren das Beisammensein und die Unterstützung anderer in der Gesellschaft. Ist es Ihnen gelungen, trotz dieser Herausforderungen anderen Beistand zu leisten?  Haben Sie Beistand erlebt?

Mit meinen fast 80- jährigen Eltern konnte ich durch Videokonferenzen auch trotz der Beschränkungen gut in Verbindung bleiben, unsere Kinder haben die Kontakte auch zu älteren Nachbarn über fast tägliche Fenstergespräche vertieft. 


Das Interview führte Christine Heilmeier

 

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Interview mit Gabriele Bartra, 78 Jahre alt


Titel: „Solidarisch sein gehört für mich zum Alltag“

Einleitung:

Menschen brauchen Menschen. Auch nach Ende der Pandemie soll die Unterstützung für Menschen in Not und die Liebe und Fürsorge füreinander fortgeführt werden, so Gabriele Bartra.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für dich persönlich verändert, und wie gehst du mit der neuen Lage um?

Im Wesentlichen hat sich nicht viel für mich verändert. Ich kann mich selber ganz gut 

Beschäftigen. Allerdings fehlen mir schon einige Aufgaben oder Beschäftigungen, die ich vor der Pandemie regelmäßig gemacht habe und die zurzeit leider nicht möglich sind, wie zum Beispiel mein Kinderbuch-Projekt mit den Kindern in der Montessori-Schule und das Mitspielen in der Flötengruppe. Doch finde ich trotzdem immer eine kleine Aufgabe, die Sinn macht.        

Hast du in den letzten 12 Monaten eine persönliche Erfahrung gemacht, die du als positiven Impuls für deine Zukunft mitnimmst?

Eigentlich habe ich meinen Lebensstil, der ziemlich einfach ist, in Corona-Zeiten so weiter führen können wie in der Zeit davor. Meine persönliche Erfahrung ist, jeden Tag noch bewusster zu leben und das Beste aus jeder Situation zu machen. Das ist die Einstellung, mit der ich jeden Tag angehe und mich auf meine Zukunft vorbereite, von der ich nicht weiß wie sie aussehen wird. Ich lasse mich überraschen.

Siehst du im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen, von denen du hoffst, dass sie anhalten?

Ja, ich glaube, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die endlich lernen, dass man auch mit weniger auskommen und damit zufrieden sein kann. Ich hoffe, dass es nicht nur anhält, sondern dass wir uns alle die Lebensphilosophie zu eigen machen: „Weniger ist mehr“.

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie weltweit vernetzt und zugleich fragil unser öffentliches Leben ist. Welche Rolle spielt Solidarität für dich persönlich, nicht nur in Zeiten von globalen Krisen wie dieser Pandemie?

 Solidarisch sein gehört für mich zum Alltag. Menschen brauchen Menschen. 

 Jesus richtete seinen Blick immer auf die Menschen. So sehr lagen sie ihm am Herzen.  

 

Das Interview führte Eliphas Nyamogo

 

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Interview mit Heri Nyamogo, 11 Jahre alt


Titel: „Ich habe Freizeit, bin aber nicht wirklich frei“

Einleitung:

Seit über einem Jahr sind auch Kinder wegen der Corona-Pandemie in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Der elfjährige Heri über seine Erfahrungen und wie er die Krise wahrnimmt.

Was ärgert dich am meisten über das Coronavirus?

Die Kontaktverbote finde ich am schlechtesten. Ich habe drei beste Freunde in meiner neuen Schule und wir dürfen uns nicht mehr zusammentreffen. Ich kann mich immer nur mit einem treffen. Da es mir sehr schwer fällt zu entscheiden, wen ich treffe, bleibe ich lieber zuhause.

Hast du Angst vor dem Virus?

Vor dem Virus selbst habe ich nicht so viel Angst. Ich habe aber sehr viel Angst davor, jemanden anzustecken, der vielleicht wegen einer anderen Krankheit nicht so stark ist wie ich. Meine Großeltern wohnen in Kenia, und ich habe sie seit vier Jahren nicht mehr gesehen. Selbst wenn wir heute nach Kenia reisen würden, würde ich sie nicht besuchen, weil sie schon sehr alt und nicht mehr ganz gesund sind.

Gibt es etwas, das du früher für selbstverständlich gehalten hast, für das du jetzt aber besonders dankbar bist?

So viele Dinge sind neu und merkwürdig. Vor dem Ausbruch der Coronapandemie haben wir oft Ausflüge gemacht oder Freunde besucht und gemeinsam gegrillt, gekocht und bei denen im Garten gefeiert. Das dürfen wir nicht mehr. Früher bin ich jede Woche Schwimmen oder zum Fußball-Training gegangen. Auch das geht nicht mehr. Ich habe oft Freizeit, bin aber nicht wirklich frei. Ich genieße jede Gelegenheit, mich mit meinen Freunden auszutauschen, auch wenn es nur online ist.

Und wie bleibt ihr online in Kontakt?

Wir verabreden uns zu einem Videospiel oder schauen uns einen Film an und reden darüber. Das macht Spaß, kann aber den persönlichen Kontakt nicht ersetzen.

Gibt es etwas Positives für dich, wenn du an die Pandemie denkst?

In unserem Wohnblock haben mehrere junge Leute angeboten, für ältere Nachbarn und andere, die einer Risikogruppe angehören, einkaufen zu gehen. Das ist eine sehr coole Geste. Ich finde es auch sehr schön, dass wir mehr Zeit zusammen verbringen als Familie. Selbst unter der Woche ist mein Vater meistens zu Hause, weil er fast nur noch im Homeoffice arbeitet.

 

Das Interview führte Eliphas Nyamogo.

 

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Familie Domanja/Lieb
 

Familie Domanja/Lieb hat zwei Kinder im Krippen- und Kindergartenalter. Die Eltern arbeiten seit Corona weitgehend im Home Office. Das Interview wurde mit Frau Domanja geführt.

Auf die Frage nach der Veränderung ihrer Alltagsroutine antwortet sie folgendermaßen:
„Für uns hat sich durch Home Office und die häusliche Betreuung der Kinder der tägliche Ablauf völlig verändert. Durch den Wegfall von Dienstreisen und die Einschränkung privater Kontakte sind wir viel zuhause. Dadurch ist aber auch der Termin- und Freizeitstress weniger geworden. Wir sind spontaner geworden, nicht so „verbucht“. Der Urlaub wird nicht lange im Voraus geplant, die Erholung findet im näheren Umfeld statt“.

Durch die Kontaktsperre konnte Frau Domanja ihre in der Nähe von Ingolstadt lebende Mutter weder im Haushalt noch bei Einkäufen persönlich unterstützen. Durch viele Telefonate und online Bestellungen war sie trotzdem für ihre Mutter da. Als sich die Kontaktbeschränkungen zu den Großeltern lockerten, erhielt Frau Domanja viel Unterstützung von den Omas. Beide kümmerten sich intensiv um die Kinder.

Auf die Frage nach positiven Impulsen für die Zukunft
nannte Frau Domanja folgende: „Ich plane weniger Termine, um nicht in Terminstress zu geraten. Ich habe erlebt, dass die Reduktion von Kontakten zu mehr Beziehungsintensität führt. Ich werde manche Dinge nicht mehr als selbstverständlich betrachten, das führt zu mehr Zufriedenheit! Ich empfinde Dankbarkeit, dass die Menschen in unserem Umfeld bisher gesund geblieben sind und dass wir nicht existentiell bedroht sind. Die Freizeitmöglichkeiten in meinem Wohnumfeld weiß ich neu zu schätzen. Besonders glücklich bin ich, dass ich durch die Kontaktbeschränkungen intensiver mit den Kindern zusammen bin und erlebe, was sie wahrnehmen.“ 

In zwei Bereichen erwartet Frau Domanja positive Entwicklungen für die Gesellschaft:
Die Digitalisierung der Arbeitswelt mit dem Einhergehen von Home Office wird zu größerer Flexibilität in der Organisation von Beruf und Familie führen. Ferner ist sie der Meinung, dass die Reduktion der beruflichen und privaten Mobilität dem Klima und der Umwelt zugutekommen wird.

 

Das Interview führte Kristina Gensch

 

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Interview mit Kathi Engelmann und Tochter (9 Jahre)
 

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie (oder dich, je nachdem, wie gut die Gesprächpartner*innen sich kennen) persönlich  verändert, und wie gehen Sie mit der neuen Lage um?

Ich bin kein großer Freund von Veränderungen und lebe meinen Alltag gern durchstrukturiert, um den Überblick zu behalten. Ich setzte mir in der Anfangsphase teils zu große Ziele – der ständige Wechsel der Situationen machte mürbe. Es war schwer, einen Weg zu finden, Allem und Jedem gerecht werden zu können – sei es der „systemrelevante Job“ (der aber nur ohne Homeoffice möglich war) zzgl. Homeschooling, KiGa-/Freunde-Ersatz und dazu Haushalt, der Wunsch nach Freizeitaktivitäten, Kinder „lüften“. Über die Monate hinweg ist man gewachsen und auch wenn ich ständig müde bin und gern wieder feste Strukturen hätte, die auch mal eine Weile bleiben, ist es mittlerweile okay. Man resigniert und funktioniert erstaunlich gut. Ich bin dankbar, seit Januar auch Homeoffice nutzen zu können, des erleichtert vorallem das Homeschooling der großen Tochter. Die kleine Tochter war anfangs daheim, geht nun aber regelmäßig (tageweise) zur Notbetreuung in den KiGa, da wir unserem Wirbelwind zwischen Homeoffice/Homeschooling nicht gerecht werden konnten.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?

Bewusst durchatmen: Spaziergänge am Abend alleine um den Block, Wochenenden freihalten und zu 4rt in Familie verbringen.

Worauf freue ich mich nach der Pandemie?

Unbeschwert und jederzeit die Familie besuchen zu können, Schwimmbad mit den Kids, „Elternabende“ mit meinem Mann inkl. Restaurantbesuch. Einfach mal nicht kochen sondern pudern lassen, Saunabesuche und Wellnesstage für Mutti allein 

Haben Sie in den letzten 12 Monaten Dinge, Werte, Haltungen, Aktivitäten entwickelt, bzw. unternommen, die Sie nach Ende der Krise beibehalten möchten?

Ich kann definitiv materiell verzichten, ohne dass es mich schmerzt im Alltag. Ich möchte gern weiterhin terminfreier leben und die Zeit zu 4rt genießen, weiterhin viel die nähere Natur erkunden, wandern, Gesellschaftsspiele.. Aber auch einfach mal Freunde treffen – ich brauche keine große Party aber Sinnesgleiche, mit denen man sich auch mal in größerer Runde persönlich austauschen kann. Videocalls funktionieren aber ich wünsche mir unbeschwerte Mädelsabende in der Gartenlaube zurück.

Sehen Sie im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen, von denen Sie hoffen, dass sie anhält?

Rücksicht. Verständnis. Abstand.

Ich finde es tatsächlich angenehm, dass man gerade bei Einkauf etc nicht so bedrängt wird.

Glauben Sie, dass sich das Verhältnis Mensch/Natur nach Corona positiv verändern wird?

Gibt es wirklich eine Zeit „nach Corona“? Ich glaube des bleibt uns noch viele Jahre … und ja, ich bin da nicht so ganz belesen, um eine gute Aussage zum Verhältnis Mensch/Natur zu treffen …. aber selbst ein Normalo erkennt, dass es der Natur hilft, wenn weniger Flugzeuge fliegen, lange Autostunden gen Urlaubsziele entfallen und ja, ich kann auch auf Strohhalme verzichten – aber der ganze Müll, der durch verlorene Masken entsteht (wo man die überall entdeckt, mitten im Wald – irre!) und der ganze Müll durch die Schnelltests ist unverständlich. Da hoffe ich einfach, dass die Zeit auch etwas bewirkt und diese aktuell zusätzliche Müllbelastung „nach“ Corona einfach sich wieder entspannt.

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie global vernetzt und zugleich fragil unser öffentliches Leben ist. Welche Rolle spielt Solidarität für Sie jenseits von gemeinsamen Aktionen bei globalen Krisen?

Gastronomie unterstützen, indem man sich doch mal Essen am Abend holt.

Musiklehrer unterstützen, Online Unterricht funktioniert!

Künstler/Musiker durch OnlineKonzerte zuhören/unterstützen.

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen erschweren das Beisammensein und die Unterstützung anderer in der Gesellschaft. Ist es Ihnen gelungen, trotz dieser Herausforderungen anderen Beistand zu leisten?  Haben Sie Beistand erlebt?

Die Familie wochenlang nicht sehen zu können, sind wir aufgrund der Entfernung nach Thüringen/Berlin gewohnt. Familie und Freunde waren und sind dank Telefon/WhatsApp/Skype immer greifbar. Das ist eine große Erleichterung und man ist sich trotz der Entfernung stets nahe.

Als der ganze Zirkus losging, haben wir ein enormes Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Nachbarschaft erleben dürfen, die während der Ausgangsperre täglich gemeinsam „Freude schöner Götterfunken“ gesungen hat am Abend - das hat sehr für ein Gefühl von Zusammenhalt gesorgt. Die Kinder haben das Lied zudem auf Flöte und Klavier geprobt und das abendliche Treffen um 18h am Balkon war sentimental  und zugleich befreiend.

Freunde in Quarantäne konnte man durch Einkäufe, Malbilder, Gesellschaftsspielausleihe etc. unterstützen und telefonischen Beistand leisten - als wir selbst mal ein paar Tage in Quarantäne waren, haben wir gleiche Unterstützung erhalten.

Geburtstage 2020 wurden ganz anders und bewusst zelebriert, vor allem für unsere große Tochter - es standen so viele Freunde/Bekannte vor der Türe und legten Geschenke auf den Fußabtreter, die normaler Weise vermutlich nie an den Geburtstag gedacht hätten oder besser es im Alltag vermutlich vergessen hätten vor lauter Hektik. Die Nachbarschaft sang, das Happy Birthday erklang via Saxophon durch den Innenhof. Geschenkesuche via Balkonzurufen im Innenhof, tausende Anrufe, Videocalls. Ein ganz bewusster Geburtstag und es war schön, wie unsere Tochter bedacht wurde. Die Geburtstage 2021 waren dann wieder voller Versuchung, etwas anderes zu ermöglichen, war ja auch erlaubt – aber 2020 bleibt in fester Erinnerung.

 

­­­Kinderfragen  (Emma, 9 Jahre alt)
 

Gibt es etwas Positives für dich/Sie, wenn du/Sie an die Pandemie denkst(en)?

Ich mag Homeschooling, weil ich die Schulaufgaben dann erledigen kann, wann ich es mag und in meinem Tempo. Ich kann dabei öfters mal aufstehen und Pausen einbauen.

Gibt es etwas, das du/Sie früher für selbstverständlich gehalten hast, für das du/Sie jetzt aber besonders dankbar bist?

Freunde treffen.

Und wie bleibt ihr online in Kontakt?

WhatsApp-Nachrichten/Anrufe.

Hast du Angst vor dem Virus?

Nein.

Was ärgert dich am meisten über das Coronavirus?

Das man nicht weit weg fahren kann.

 

Das Interview führte Christine Heilmeier

 

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Interview mit Markus Zengler, Mesner und Hausmeister
 

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie persönlich verändert?

Ich wohne ja über dem Gemeindehaus. Sonst höre ich bei mir oben auch, wenn die Chöre proben oder Gruppen sich treffen. Jetzt ist alles viel stiller, es fehlt die Betriebsamkeit. Für mich bleibt der Betrieb aufrechtzuhalten auch bei deutlich weniger Nutzung der Räume. Mir fällt auf, dass die Leut, denen ich begegne, mehr Zeit haben, für tiefergehende Gespräche.

Wie gehen Sie mit der neuen Lage um?

Als Single bin ich es gewohnt mit mir alleine zu sein. Ich sehe mich nicht so betroffen, komm gut damit klar, auch wenn der physische Kontakt zu Freunden und Bekannten fehlt. Am Anfang der Pandemie war das gezwungene Runterfahren für mich auch ein Zu mir selbst Kommen, raus aus dem Hamsterrad, wir hatten sonst die ganze Zeit superviele Veranstaltungen. Meinen Sport, Rennrad fahren, kann ich weiter betreiben, im Winter fehlt mir sehr der Ausgleich durchs Fitnessstudio. Die ersten Wochen mit den strikten Beschränkungen habe ich als notwendige Maßnahme gesehen. Die Maske ist für mich kein Problem, ich habe mich dran gewöhnt.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?

Wieder achtsamer mit mir selber zu sein. Nicht mehr von einer Veranstaltung zur anderen zu hetzen. Vor Weihnachten gab es sogar auch besinnliche Zeit. Und ich hab mir zum ersten mal selber einen Adventskranz gekauft.

Haben Sie in den letzten 12 Monaten Dinge, Werte, Haltungen, Aktivitäten entwickelt, bzw. unternommen, die Sie nach Ende der Krise beibehalten möchten? 

Durch das vermehrte Kochen hab ich mehr Spaß dran, das werde ich beibehalten. Und die größere Achtsamkeit fürs hier und jetzt. Auch mal Runterkommen, nicht immer gleich beim Nächsten sein.

Sehen Sie im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen (z.B. Verhältnis Mensch-Natur), von denen Sie hoffen, dass sie anhalten?

Ich bin skeptisch ob nicht jeder, sobald es geht, sofort wieder in Urlaub fliegt. Vielleicht bleibt doch mehr Solidarität, ,dass wir uns bewusster  um die Familie und vor allem um die Älteren kümmern. 

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie global vernetzt und zugleich fragil unser öffentliches Leben ist. Welche Rolle spielt Solidarität für Sie jenseits von gemeinsamen Aktionen bei globalen Krisen?

Wir jammern auf hohem Niveau - klar für die Kinder ist es schwer momentan, aber wir Erwachsenen haben trotzdem noch viele Möglichkeiten. In Italien oder Frankreich war das viel strenger.

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen erschweren das Beisammensein und die Unterstützung anderer in der Gesellschaft. Ist es Ihnen gelungen, trotz dieser Herausforderungen anderen Beistand zu leisten?  Haben Sie Beistand erlebt?

Ich habe Hilfe angeboten, aber es war nicht viel Bedarf, da viele andere Hilfsangebote z.B. der Jugend da waren.

 

Das Interview führte Christine Heilmeier

 

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Gespräch mit Frau Hannelore Ziegler


Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie  persönlich  verändert, und wie gehen Sie mit der neuen Lage um?

Der Alltagsbewältigung ist schwieriger geworden. Ich habe häufig Termine versäumt, bzw. mich im Datum geirrt, wohl weniger durch Vergeßlichkeit eher mangels Konzentration

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen erschweren das Beisammensein und die Unterstützung anderer in der Gesellschaft. Haben Sie Beistand erlebt?

Ja, vor allem durch die Kirchengemeinde. Es hat sich jemand um einen Impftermin gekümmert, mich mit dem Auto hingebracht, auch zu anderen Terminen gefahren.

Auch die Mitbewohner im Haus haben untereinander Kontakt gehalten und sich gegenseitig unterstützt.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?

Ich muß die Lage hinnehmen, wie sie ist.Ich habe gemerkt, daß ich  mich auf meine eigenen Füße stellen muß und mich nicht gehen lassen darf.

Zur Zeit vor der Pandemie gibt es wenig Veränderung, allerdings ist der Kontakt mit Mitmenschen deutlich enger geworden.

 

Das Interview führte Ruth Stark

 

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Gespräch mit Herrn Wolfgang Mönch


Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für alle Menschen die tägliche Routine verändert. Was hat sich für Sie persönlich  verändert, und wie gehen Sie mit der neuen Lage um?

Der Kontakt zu meinen Söhnen ist enger geworden. Sie haben mir beide „verboten“., das Haus zu verlassen, sonst würden sie mir das Auto wegnehmen. Bei dem einen Sohn bin ich einmal am Wochenende eingeladen, habe so auch Kontakt mit den Enkeln. Der andere Sohn hat das  Einkaufen übernommen und bringt sie mir einmal die Woche und bleibt dann zum Abendessen. Früher war der Kontakt  seltener.

Die Kontakte nach außen sind allerdings nahezu vollständig weggebrochen. Es wird häufiger telefoniert. Der Bekanntenkreis nimmt allerdings ab. Besonders schmerzhaft war es, als ein Bekannter starb und ich nicht an der Beerdigung teilnehmen durfte. Diese Kontaktbeschränkung ist zwar notwendig, aber sie tut weh.

Auch „aus dem Haus gehen“, spaziergänge etc. mache ich nicht, da ich keinen treffen möchte und damit Kontakte vermeiden will

Es fehlt der Kontakt auch zu Nachbarn, dieser ist nur möglich, wenn der andere dazu bereit ist. Es gubt Mitmenschen, die kontaktbereit sind und andere, die sind es nicht.

Haben Sie im vergangenen Jahr eine persönliche Erfahrung gemacht, die Sie als positiven Impuls für Ihre Zukunft mitnehmen?

Der Kontakt zur Familie, das Generationenverhältnis ist enger und vor allem vertrauensvoller geworden. Die Probleme sind mehr bekannt. Trotz des Beachtens der Coronabeschränkungen ist ein enger und guter Kontakt entstanden.

Die Bereitschaft zur Hilfe ist gestiegen. So hat eine jüngere Nachbarin per Brief angeboten, Einkaufshilfe zu leisten.

Der Kontakt zu meinen Söhnen ist enger geworden. Sie haben mir beide „verboten“., das Haus zu verlassen, sonst würden sie mir das Auto wegnehmen. Bei dem einen Sohn bin ich einmal am Wochenende eingeladen, habe so auch Kontakt mit den Enkeln. Der andere Sohn hat das  Einkaufen übernommen und bringt sie mir einmal die Woche und bleibt dann zum Abendessen. Früher war der Kontakt  seltener.

Sehen Sie im Rahmen der Pandemie gesellschaftliche Entwicklungen, von denen Sie hoffen, dass sie anhält?

Es gibt zweierlei Kontakte, positive und negative: Manche Bekannte kommen nicht mehr, ich weiß nicht warum. Die familiäre Bindung ist enger geworden, ich glaube. Daß dies auch in Zukunft so bleibt.

Die Bereitschaft zur Hilfe ist gestiegen. So hat eine jüngere Nachbarin per Brief angeboten, Einkaufshilfe zu leisten.  Auch jetzt, nachdem die Beschränkungen etwas gelockert, bleibt dieses Hilfsangebot bestehen.

 

Das Interview führte Ruth Stark 


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Zum Inhalt und zur Gestaltung:

Im Rahmen der Fusion wurden die beiden Gemeindebriefe aus Immanuel und aus Nazareth zusammengeführt und haben im "fusionierten" Gemeindebrief eine Wandlung erfahren, eine bewusste Wandlung. Das erste Redaktionsteam hat intensiv darüber nachgedacht, wie es möglich ist, beide „Welten“ bestmöglich zusammenzubringen.
Lange haben wir nach einem neuen Namen gesucht. Es sollte weder "Gemeindespiegel" noch "Gemeindebrief" werden. Wir fanden keinen und – das Gute ist - wir brauchen keinen. Dass hier von Gemeindebrief gesprochen wird, ist die neutrale Bezeichnung.

Klare Strukturen aus Immanuel
Vier Ausgaben im Jahr sind eine große Herausforderung. Klare Strukturen erleichtern die Arbeit für das Redaktionsteam. Einzelne Themenbereiche und Rubriken sind deshalb in jeder Ausgabe vertreten.

Leitthema - thematischer "Roter Faden" aus Nazareth
Der Inhalt folgt einem Roten Faden, dem Leitthema der Ausgabe. Daher gibt es eine Mischung aus zum Leitthema passenden Texten und Gruppenbeiträgen, die idealerweise auch das Thema aufgreifen. Daraus ergibt sich, dass nicht jede Gruppe in jeder Ausgabe zu Wort kommt. Auch das Titelbild greift das Leitthema auf und stellt es ikonisch dar.

Keine Berichterstattung, sondern nah am Thema
„Nichts wirkt staubiger und abgegriffener als die Zeitung von gestern.“ Zwischen Redaktionsschluss und Veröffentlichung liegt ein langer Zeitraum. Neuigkeiten und Berichte sind dadurch schnell Schnee von gestern. Das Redaktionsteam konzentriert sich auf Beiträge, die zum Leitthema passen und den Gemeindebrief zu einer facettenreichen und interessanten Lektüre werden lassen.

Layout / Gestaltung
Günstige Druckpreise erlauben uns den Farbdruck. Das ermöglicht eine lebendige Gestaltung. Hier liegt die größte Herausforderung, da der Gemeindebrief verschiedene Zielgruppen hat: Jung und Alt, mit ganz unterschiedlichen Lesegewohnheiten und Vorlieben. Das bedeutet für die Seitengestaltung und Bildauswahl einen Mittelweg zu finden, um möglichst allen Lesern gerecht zu werden. Das Redaktionsteam passt den Gemeindebrief im Handwerklichen wie auch Stilistischen immer weiter den Bedürfnissen der Gemeinde an.
Ziel ist es, mit dem Gemeindebrief die Vielfalt und Lebendigkeit unserer Gemeinde Gestalt zu geben und Ausdruck zu verleihen. Der Gemeindebrief ist Teil der Kommunikationskultur der Gemeinde Immanuel-Nazareth.